Fahrräder

Einteilung und Bau der Fahrräder

Das Einrad dient ausschließlich equilibristischen Zwecken im Zirkus oder dergleichen.

II. Die Zweiräder zerfallen in zwei Hauptgattungen:
a) Das hohe Zweirad (Fig. 1), welches bis vor kurzem auf der Rennbahn und auf der Landstraße vorherrschte, besteht aus einem 130- 160 cm großen Treibrad, welches der auf dem kleinen Sattel reitende Radfahrer durch Treten der Kurbel in rasche Drehung versetzt, und aus einem hintern kleinen Lenkrad, welches als Stütze dient. Da große Treibrad wird durch die vor dem Sattel sichtbare Lenkstange nach rechts oder links gedreht, wodurch das Fahrzeug die Richtung verändert, und mittels der Pedale direkt angetrieben, derart, daß jedem Auf- und Abwärtsbewegen der Beine eine Umdrehung des ganzen Rades entspricht.

b) Das in den letzten Jahren aufgekommene und jetzt fast ausschließlich herrschende Sicherheits-Fahrrad (Fig. 2; engl.: Safety bicycle, franz: Bicyelette) besitzt zwei gleich große, mäßig hohe Räder, von denen das vordere zum Steuern, das hintere zur Fortbewegung dient. Da aber dieses kleinere Rad bei jeder Umdrehung einen kleinern Weg zurücklegen würde, als das hohe Zweirad, so trägt die Pedalachse zwischen beiden Rädern ein Zahnrad, dessen Durchmesser meist zweimal so groß ist alsder des Zahnrades auf der Treibachse, so daß jedem abwechselnden Treten der Pedale eine zweimalige Umdrehung des Treibrades entspricht und die gleiche Geschwindigkeit erzielt wird wie beim hohen Zweirad. Übertragen wird die Drehung der Pedalwelle auf die Treibachse meist durch eine Gallsche Kette. Dies Sicherheits-Fahrrad ist unter anderm bei der österreichischen und schweizerischen Militärverwaltung (Fig. 3) eingeführt. Das Gewehr ruht in zwei Haken und wird durch einen federnden Bügel gehalten. Tornister und Patrontasche sind an der Vordergabel der Lenkstange angebracht. Eine mit letzterer verbundene Gabel gestattet im ausgespreizten Zustand , das Rad festzustellen.

III. Das Dreirad eignet sich mehr als Transportmittel sowie als Ersatz für Fuhrwerk und für solche Personen, welchen die Gleichgewichtserhaltung auf dem Zweirad zu beschwerlich fällt. Es ist schwerer·(30-35 kg) als das Zweirad, und die Reibung ist viel größer, weil die Räder drei Spuren hinterlassen. Bei dem besten Dreirad, dem Cripper (Fig. 4), haben die beiden hintern Treibräder einen Durchmesser von 60- 70 cm, das kleinere Vorderrad dient als Steuer. Das Drehen der Treibräder geschieht mittels Pedale und einer Gallschen Kette. Eine selbsttätige Geradesteuerung bewirkt, daß die Maschine so lange, gerade läuft, bis der Fahrer ihr eine andre Richtung gibt. Abarten des Dreirades bilden die Tandems und Sociables für zwei Personen, die bei den Tandems , hintereinander, bei den Sociables nebeneinander sitzen. Das Dreirad hat man auch beim Heere (vgl. Fig. 3) und für Landbriefträger eingeführt.

IV. Das Vierrad kommt fast nur in Verbindung mit einem Motor vor (Fig. 5, Petroleum-Vierrad von Daimler in Kannstatt). Man benutzt Petroleum, Benzin (Benz in Mannheim) oder einen Elektromotor, der aus einer Sammlerbatterie gespeist wird. Diese Fahrräder haben bisher ebensowenig Verbreitung gefunden wie diejenigen, bei denen auch die Kraft der Arme zum Antrieb ausgenutzt wird, sowie die Fahrräder, die bald auf dem Lande, bald auf dem Wasser, bald nur auf diesem fahren sollen.

Das Fahrrad besteht aus Rahmen, Rädern, Lagern und Triebwerk. Der Rahmen (Fig. 6) wird aus kalt ausgewalzten, nahtlosen Stahlröhren hergestellt.

Rahmen eines Sicherheits-Zweirades

Zu den Rädern wird, bis auf den Gummireifen, ausschließlich Stahl verwendet. Man unterscheidet Räder mit direkt in die Nabe eingeschraubten Speichen von denjenigen mit Tangentialspeichen (Fig. 2), bei denen die Speichen dem Nabenumfang tangential liegen. Die Felgen sind hohl und dienen dem Radreifen zum Träger.

Querschnitt durch den Dunlopschen Reifen

Der von Dunlop angegebene Reifen besteht fast stets aus einem mit Druckluft angefüllten Gummischlauch (Fig. 7). L ist ein nahtloser Leinwandschlauch, Mdie Luftkammer, N die äußere, mit dem Boden in Berührung kommende Hülle, O ein Leinwandstreifen, der die Felge umgibt und die Luftkammer vor Beschädigung schützt, P die hohle Felge, R ein Leinwandstreifen, der die Ränder der äußern Hülle bedeckt· Das Füllen der Reifen geschieht durch ein an den Reifen befestigtes Ventil. Die Kette K verhütet das Abhandenkommen des Ventilpfropfens.

Querschnitt eines Kugellagers der Pedalwelle

Querschnitt der Radnabe und Kugellager des Lankrades

Bei dem Kugellager für Pedal- und Radwelle (Fig. 8 u. 9) besitzt die Nabe, durch welche die Welle hindurchgeht, an beiden Seiten eine Ausweitung zur Aufnahme der Kugeln. Die Welle ruht auf den Kugeln, wodurch die Reibung ungemein vermindert wird. Beide bestehen aus gehärtetem Stahl. Das Triebwerk besteht bei den Zweirädern aus zwei Kurbeln und zwei Pedalen, mittels welcher das große Rad direkt angetrieben wird. Dagegen erfolgt bei Sicherheits-Fahrrädern und Dreirädern der Antrieb indirekt mittels einer Gallschen Kette.

diverse Fahrradtypen (18. Jahrhundert)